Wenig Wahlkampf – sachliche Debatte
Parteivertreter sprechen bei Diskussion des Initiativkreises für den Außenbereich (IfA) brisante Themen an
Bei der Podiumsdiskussion des IfA am Mittwochabend legen die Redner
(v. l.) Theo Schulze Brock (IfA), Helmut Geuking (Familienpartei),
Ulrich Schlieker (Grüne), Helmut Knüwer (FDP), Michael Fliß (SPD),
Werner Wiesmann (CDU) und Bernard Pascher (IfA) ihre Standpunkte unter
anderem zum Berkelquellteich, Kläranlagen und Wirtschaftswegen dar.
Fotos: Florian Schütte/Archiv Foto:
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Von Florian Schütte
Billerbeck.
Gebannt schauen die rund 20 Teilnehmer der Podiumsdiskussion des IfA
(Initiativkreis für den Außenbereich) am Mittwochabend auf die Leinwand
in der Ratsschänke Lanfermann. Dort läuft ein Einspieler aus der
Sendung „Quarks & Co“ mit dem Titel „Die Wissenschaft vom Klo“.
Unterhaltsam klärt der Moderator über die Funktion von Abwassersystemen
auf. Und so ist der Bogen zum ersten Thema des Abends geschlagen:
Kleinkläranlagen und geplante Zwangsanschlüsse im Außenbezirk.
Zum
Abwasserbeseitigungskonzept spricht Michael Fliß (SPD) von
„vorauseilendem Gehorsam“ gegenüber der Bezirksregierung. „Da wäre mehr
möglich gewesen“, so Fliß. Auch Helmut Knüwer (FDP) stößt ins gleiche
Horn und meint, dass seine Partei dem Anschluss der Kleinkläranlagen
ans städtische Netz nur zugestimmt habe, weil die Stadt sonst kein
Abwasserbeseitigungskonzept mehr gehabt hätte. Somit würden dann auch
Fördermittel verloren gehen, wie Werner Wiesmann (CDU) betont. Bernard
Pascher (IfA) liefert mehrere Argumente für Kleinkläranlagen. Eines
davon ist, dass in selbigen von den Besitzern weniger Müll eingeleitet
werde, als dies beim Abwassersystem der Stadt der Fall sei. Wiesmann
bringt es noch deutlicher auf den Punkt: „Es darf nicht passieren, dass
das Konzept auf den gesamten Außenbereich ausgeweitet wird, solange wir
dort intakte Kleinkläranlagen haben.“ Dem pflichteten die meisten
Anwesenden bei. Clemens Wübbeling (IfA) will wissen, ob alternative
Trennwassersysteme nicht unterstützt werden könnten. Diese würden
jedoch, laut Ulrich Schlieker (Grüne), bereits heute oft in Neubauten
installiert werden.
Ein weiteres brisantes Thema ist die
angepasste Satzung über die Entsorgung des Inhaltes von
Grundstücksentwässerungsanlagen sowie die Bußgelder beim Verstoß gegen
diese. Während die Vertreter von SPD, CDU, Grüne und FDP die vormals
diskutierte Erhöhung von 1000 auf 50 000 Euro für überzogen halten und
Theo Schulze Brock (IfA) gar von einem Bußgeld spricht, das „Leute nur
mundtot machen und einschüchtern“ solle, gibt Helmut Geuking
(Familienpartei) zu bedenken, dass die erhöhten Bußgelder in der Tat
zur Abschreckung davor dienen sollen, im Außenbereich vorsätzlich die
Umwelt zu verschmutzen. Fliß sieht den Kompromiss von 5000 Euro jedoch
als Maßnahme mit entsprechender Wirkung. „1000 Euro wird einige nicht
schocken“, ist Fliß überzeugt. Bezüglich der Erarbeitung eines
Konzeptes zum Ausbau und zur Unterhaltung der Wirtschaftswege pflichtet
Schulze Brock Wiesmann bei, dass der Dampf zwar nicht raus, aber „durch
den entsprechenden Arbeitskreis nun kanalisiert“ sei. Fliß ist dabei
die Zusammensetzung dieses Arbeitskreises wichtig, um „alle Bewohner,
Landwirte, Gewerbetreibende und Gastronomen zu Wort kommen zu lassen.“
Hubert Hessmann (IfA) beklagt unterdessen aus dem Publikum in Richtung
Wiesmann, dass der Weg vor seiner Haustür bei der jüngsten Sanierung
nicht berücksichtigt worden sei, was Wiesmann mit dem Versprechen, eine
Lösung zu finden, bedauert. Der Berkelquellteich solle nach Wunsch
aller Parteien erhalten bleiben. Hier sei neben der Optik auch das
Problem der Nitratbelastung anzugehen. Schulze Brock gibt jedoch zu
bedenken, dass die Werte mit 46 Milligramm noch von Trinkwasserqualität
zeugten. Diese schwankten jedoch im Sommer. Die Ursache müsse geklärt
werden, meint Fliß. Zum Abschluss kommt das Thema Wahlkreise im
Außenbereich zur Sprache. Dies sei durch die Verkleinerung von vier auf
drei keine glückliche Lösung, wie sich alle einig sind, aber wegen der
Besetzung mit gleich vielen Wählern nicht zu ändern. Für die nächste
Wahl schlägt Fliß zwei Wahllokale mit einer „Filiale“ vor. „Das hat mit
Wahlkampf ja nicht viel zu tun und ist erfreulich sachlich verlaufen“,
resümiert Theo Schulze Brock zum Abschluss der Veranstaltung.
Quelle: Allgemeine Zeitung